Thema & Planung

Literatur screenen: Von Titel und Abstract zur Volltextentscheidung

Zwei Auswahlstufen nachvollziehbar trennen, unklare Treffer offenhalten und Volltextausschlüsse mit konkreten Gründen dokumentieren.

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Auf deine Arbeit anwenden

Dein konkreter Arbeitsweg

Am Ende hast du: Eine gestufte Literaturauswahl mit kontrollierbaren Gründen und konsistenten Zähleinheiten dokumentieren.

Arbeitsablauf: 1. Vorprüfung protokollieren: Plausible und unklare Treffer bleiben für die Volltextprüfung erhalten. 2. Volltext entscheiden: Jede endgültige Entscheidung hat einen nachvollziehbaren Status. 3. Listen abgleichen: Bestand und berichtete Auswahlzahlen stimmen miteinander überein.
Eigene schematische Arbeitshilfe: Vorprüfung protokollieren → Volltext entscheiden → Listen abgleichen. Die Schritte werden unten erläutert; keine empirischen Ergebnisse.
  1. Vorprüfung protokollieren

    Sichte Titel und Abstract anhand der Kriterien und markiere Unsicherheit.

    Prüfbarer Zwischenstand: Plausible und unklare Treffer bleiben für die Volltextprüfung erhalten.

  2. Volltext entscheiden

    Prüfe Fundstellen und trenne Ausschluss, Zugangslücke und Mehrfachbericht.

    Prüfbarer Zwischenstand: Jede endgültige Entscheidung hat einen nachvollziehbaren Status.

  3. Listen abgleichen

    Vergleiche Auswahlprotokoll, Studienzuordnung und Synthesebestand.

    Prüfbarer Zwischenstand: Bestand und berichtete Auswahlzahlen stimmen miteinander überein.

Quellen prüfen

1. Vorprüfung und endgültige Auswahl unterscheiden

Beim ersten Lesen eines Abstracts weißt du häufig noch nicht, ob eine Veröffentlichung alle Kriterien erfüllt. Die Vorprüfung soll offensichtlich unpassende Treffer erkennen und plausible oder unklare Fälle zum Volltext weitergeben. Erst dort lässt sich etwa das tatsächliche Untersuchungsdesign sicher beurteilen. Das Cochrane Handbook beschreibt eine solche gestufte Auswahl für systematische Reviews. Dessen Anforderungen an unabhängige Prüfpersonen gelten in seinem eigenen Reviewkontext; sie sind nicht automatisch verpflichtend für jede studentische Literaturarbeit. Kläre deshalb mit der Betreuung, welchen Reviewtyp und welche Prüforganisation dein Vorhaben tatsächlich verlangt.

Bereite ein eigenes Sichtungsblatt vor: eindeutige Trefferkennung, Suchquelle, Titel-Abstract-Entscheidung, Volltextstatus, endgültige Entscheidung und Begründung. Verknüpfe es mit den vorab festgelegten Auswahlkriterien. Unser erfundener Lernfall fragt nach Lernstrategien in einem bestimmten Studienabschnitt. Ein Abstract nennt nur Studierende allgemein. Markiere den Fall zunächst als unklar, statt die gesuchte Untergruppe zu erfinden oder den Treffer vorschnell auszuschließen. Eine leere Informationszelle bedeutet zunächst fehlende Kenntnis. Sie ist nicht dasselbe wie ein nachgewiesen nicht erfülltes Kriterium.

Weiterführend: Cochrane Handbook, Chapter 4: Searching for and selecting studies

2. Die Sichtung mit kleinen Prüffällen kalibrieren

Teste deine Regeln zunächst an einer überschaubaren Gruppe unterschiedlich klarer Treffer. Schreibe bei jeder Entscheidung das betreffende Kriterium dazu. Wenn zwei Personen beteiligt sind, vergleichen sie ihre Entscheidungen und besprechen Abweichungen vor der großen Sichtung. Wenn du allein arbeitest, vereinbare für Grenzfälle zumindest eine fachliche Rückfragemöglichkeit und dokumentiere diesen eingeschränkten Ablauf ehrlich. Bezeichne eine Einzelprüfung nicht als unabhängiges Doppelscreening. Eine nachträgliche Kontrolle einzelner Fälle kann hilfreich sein, ist aber nicht dieselbe Organisation wie zwei unabhängig durchgeführte vollständige Auswahlentscheidungen.

Lege außerdem den Umgang mit widersprüchlichen Angaben fest. Ein Titel kann eine Zielgruppe nahelegen, während der Volltext eine andere Population beschreibt. Für die endgültige Entscheidung zählt die geprüfte relevante Information, nicht der attraktiver klingende Titel. Notiere die Fundstelle und die verwendete Version. Verändere ein Kriterium nicht unbemerkt, nur um eine interessante Veröffentlichung aufzunehmen. Wenn eine begründete Änderung nötig ist, datiere sie, beschreibe ihren Anlass und prüfe bereits gesichtete Treffer erneut gegen die geänderte Regel. So bleibt die Auswahl auch nach einer Korrektur nachvollziehbar.

3. Ausschluss, fehlenden Volltext und Mehrfachberichte trennen

Ein nicht beschaffter Volltext ist zunächst ein Zugangsproblem, kein fachlich geprüfter Ausschluss. Erfasse, welche Beschaffungswege du versucht hast, und halte solche Fälle getrennt von vollständigen Auswahlentscheidungen. Bei geprüften Volltexten notierst du einen aussagekräftigen Hauptgrund: etwa unpassende Population statt nur nicht relevant. Wenn mehrere Kriterien verletzt sind, wähle eine vorher vereinbarte Reihenfolge für den berichteten Hauptgrund. Unser eigenes Beispiel lautet: Der Volltext untersucht Berufstätige außerhalb eines Studiums; ausgeschlossen nach dem Populationskriterium. Diese Begründung lässt sich am Text kontrollieren und erklärt die Entscheidung präziser.

Unterscheide auch Treffer, Publikationen und zugrunde liegende Studien. Zwei Artikel können dieselbe Untersuchung mit unterschiedlichen Auswertungen berichten. Sie sind nicht zwingend bibliografische Dubletten, dürfen aber nicht unbemerkt als zwei unabhängige Untersuchungen gezählt werden. Die offizielle PRISMA-Flussübersicht macht Auswahlphasen, Ein- und Ausschlüsse sowie Gründe sichtbar. Verwende eine passende Vorlage nur, wenn sie zum Reviewtyp passt, und halte die Zähleinheiten konsistent. Eine schöne Grafik heilt weder fehlende Entscheidungen noch doppelt gezählte Untersuchungen. Prüfe jede Summe gegen das tatsächlich geführte Sichtungsprotokoll.

Weiterführend: PRISMA 2020: Flow diagram

4. Auswahlprotokoll und Ergebnisbestand abgleichen

Vergleiche vor der Synthese drei Listen: endgültig eingeschlossene Veröffentlichungen, zugehörige Untersuchungen und die Quellen in deiner Literaturmatrix. Jede aufgenommene Quelle braucht eine nachvollziehbare Auswahlentscheidung. Jede ausgeschlossene Quelle muss außerhalb des Synthesebestands bleiben, sofern sie nicht ausdrücklich für einen anderen Zweck verwendet wird. Markiere solche Zwecke getrennt, beispielsweise theoretischer Hintergrund statt eingeschlossene Evidenz. Kontrolliere außerdem, ob dieselben Volltexte überall unter derselben Kennung geführt werden. Ein abweichender Dateiname oder ein verkürzter Titel sollte keine zusätzliche scheinbare Quelle erzeugen.

Das Tool Quellen prüfen kann einen ergänzenden Abgleich geeigneter eigener Literaturangaben unterstützen. Bereite deine geprüften Angaben und relevante Textbelege vor; kontrolliere Rückmeldungen anhand der Originalquellen. Es führt kein unabhängiges Literaturscreening durch und entscheidet nicht, ob eine Untersuchung deine Einschlusskriterien erfüllt. Bewahre deshalb dein Sichtungsblatt als eigene methodische Unterlage auf. Der fertige Arbeitsschritt besteht in einem konsistenten Auswahlbestand samt begründeten Grenzfällen und offenen Beschaffungsproblemen. Er ist keine Zusicherung, dass eine Suche vollständig war oder dass ein Review automatisch sämtliche Standards erfüllt.

Zum Gegenprüfen

So unterstützt dich das passende Tool

Vorbereiten
Geprüfte Literaturangaben und zugehörige Textbelege für einen ergänzenden Quellenabgleich vorbereiten.
Ergebnis weiterverwenden
Hinweise anhand der Originalquellen kontrollieren; Auswahlentscheidungen selbst begründen.
Grenze der Unterstützung
Der Quellencheck übernimmt kein unabhängiges Screening und bestätigt keine Vollständigkeit der Recherche.

Dein nächster Schritt

Gehe die Prüfpunkte oben für deine eigene Arbeit durch.

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